zurück

„Utopie Europa“

25.06.2018

Videokonferenz mit Patrick Boucheron und Diskussion mit dem Publikum

Die Universität Münster hat eine Diskussion rund um das Thema „Utopie Europa“ organisiert. Der Veranstaltung lief zweiteilig ab:

  1. Wiederübertragung der Konferenz mit Patrick Boucheron „Ce qui a manqué à l’Europe“ (Konferenz im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Une certaine idée de l’Europe“ initiiert von der geopolitischen Studiengruppe der ENS) mit englischen Untertiteln.
  2. Diskussion mit dem Publikum, eingeleitet und geführt von Herrn Dr. Martin Kintzinger, Professor für Hoch-und Spätmittelalter/Westeuropäische Geschichte, Herrn Dr. Nils Bock, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Herrn Dr. Charrier, Attaché für Hochschulkooperation der französischen Botschaft.

Dokumentation der Debatte
Zur Orientierung der Debatte zeichnet Herr Dr. Bock die Schwerpunktbildung von Patrick Boucheron Vortrag nach:

  • Er weist auf die heutige Bedeutung der ursprünglichen Kernidee Europas hin und stellt sich die Frage ob das Narrativ „nie wieder Ausschwitzt/nie wieder Krieg!“ noch bei den jüngeren Generationen greift.
  • Er hebt die Funktion des historischen Vergleiches hervor, als „Möglichkeit etwas zu finden und innerhalb des Vergleiches die histoire connectée zu verbildlichen“.

Prof. Dr. Martin Kintzinger resümiert die Punkte die aus historischer Sicht in die heutige politische Diskussion eingebracht werden können:

  • Er sieht die Geschichte als Hinweis, um die Diversität Europas neu zu konstruieren.

Prof. Dr. Martin Kintzinger eröffnet die Diskussion und fordert die interessierten Studierenden auf, aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu denken, um Ihre Vorschläge zur Zukunft Europas vorzustellen.

Herr Dr. Charrier wirft noch die Frage der Herausforderung Chinas (l’épreuve de la Chine) ein und die der zukünftigen Rolle Europas in der Welt. Er greift auch die Thematik des neu zu findenden Narratives auf Jan Fredebeul, Student an der WWU Münster, beleuchtet das Problem: „warum sich viele (Ost-) Europäer nicht mit der europäischen Idee identifizieren“ und „warum die Wertegemeinschaft, die in den Medien und der Politik erklärt wird, nicht anzukommen scheint“. Nach Ansicht des Studenten wird auf europäischer Ebene zu wenig bürgernahe Politik betrieben, er meint: „solange die Kompetenzen des EU Parlamentes nicht gestärkt werden, werden sich auch nicht die europäischen Bürger für die EU Politik interessieren“. Um das europäische Bewusstsein zu stärken, schlägt er vor, unter amderem die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Medien zu verstärken.

Ein anderer Student, Robert Brockhaus, ist der Meinung, dass das ursprüngliche Narrativ „nie wieder Krieg“ bei vielen Teilen der Bevölkerung nicht mehr trägt. Deswegen muss Europa ein neues Narrativ erschaffen, meinte er. Nach Meinung des luxemburgischer Student Tim Ballini, sollten auch die Medien mehr über die gut laufenden Prozesse berichten, „um die Maschine Europa den Menschen näher zu bringen und zu erklären“. Für den Studierenden Robert Brockhaus, ist die wichtigste europäische Errungenschaft die Freizügigkeit. Er sieht die Freizügigkeit als „absolutes Novum in der Welt“, von dem insbesondere die Jugend Europas profitiert. Ein anderer Student merkt an, dass bezüglich der Errungenschaften Europas, ein Generationsproblem der Wahrnehmung bestehe. Die Errungenschaften von heute seien nützlich für die Europäer, wie zum Beispiel das EU-Roaming, hätten aber nicht dieselbe moralische Dimension wie „nie wieder Krieg in Europa“.

Der Student Florian Hemann, sieht keine Notwendigkeit neue Visionen für Europa zu schaffen, sondern die bereits bestehenden Mechanismen mehr der aktuellen Situation anzupassen. Er ist der Meinung, dass in Europa „das Wir Gefühl gestärkt werden sollte“, mit Projekten wie zum Beispiel das Netzwerk der europäischen Universitäten.

Gesprächsteilnehmer:
Prof. Dr. Martin Kintzinger (Historisches Seminar – Westfälische Wilhelms-Universität)

Dr. Nils Bock (Historisches Seminar – Westfälische Wilhelms-Universität)

Dr. habil. Landry Charrier (Leiter und Attaché für Hochschulkooperation des Französischen Instiituts Bonn)

Studierende der WWU Münster